wettbewerb landesgartenschau löbau 2012


Gesamtkonzept, Leitidee

Ankauf, Wettbewerb 2008: Franziska Schoder, Landschaftsarchitektur
Helm Westhaus, Architektur,
mit Henrike Hoffmann, Nils Ehlers, Matthias Lanzendorf

Lange Zeit musste die Stadt Löbau auf ihre attraktivsten Flächen am Talhang, am Bach, am Über- gang zum Landschaftsraum um den Löbauer Berg und in nächster Nähe zur Innenstadt verzichten. Im Spiel zwischen Landschaftsgarten und Industriepark werden diese Räume nun für die Stadt zu- rück gewonnen. Ein durchgängiges Fuß- und Radwegesystem zeichnet die Topographie der neuen Landschaft nach, folgt den weichen Linien des Bachtals aber auch den harten Kanten der Zuckerpla- teaus – Zeugen der Geschichte, die mit ihren Gestalt prägenden Elementen zu einem neuen Park mit eigenem Charakter umgebaut werden.
Mit der Bewegung durch die Topographie, mit Durchblicken und Aussichten erschließen sich die altbekannten Räume im Bachtal und auf den Flächen der ehemaligen Zuckerfabrik neu.

Abb. 1: Übersichtsplan, Talraum Löbauer Wasser

Der Talraum

Den Talraum inszenieren die neuen Wege, die mit dem vielgestaltig renaturierten Bachlauf und der Topographie der Talhänge spielen. Der Wiesenweg, als neuer Hauptweg des Tales führt sanft ge- schwungen durch die weite Landschaft der Bachwiesen, quert Bachlauf und Straße, eröffnet das Blickfeld, tangiert die prächtige Blutbuche und gezielt gesetzte Gruppen bestehender und neuer Bäume und geht schließlich nach dem Eisenbahnviadukt in einer der Promenadenflächen der Zu- ckerplateaus auf.

Abb. 2: Dauernutzungskonzept

Der Weg am Wasser ist eine weitere wichtige Längsverbindung, die stets in Nähe des Löbauer Was- sers verläuft und alle Erscheinungen der natürlichen Dynamik des Wassers am vielgestaltig ausge- prägten Bachlauf miteinander verknüpft: der Besucher erlebt Wehre, Brücken und Stege, Ausspülungen, Sandbänke, die Insel, Überflutungszonen mit Auenvegetation und schließlich auch die wassergefüllte Beckengalerie, die als Relikt der industriellen Nutzung des Wassers erhalten wird und verschiedene schwankungstolerante, wasserliebende Pflanzengesellschaften beherbergen soll.
Mit dem Hochweg, der hoch an der oberen Kante des Stadthanges verläuft, knüpft der Entwurf an das Löbauer ‘Balkonthema’ an, das am Alten Friedhof oder am Brücknerring historisch bereits entwickelt ist und den Sicht- und räumlichen Bezug der Stadt zum Löbauer Berg und zum Talraum des Löbauer Wassers inszeniert. Der Hochweg schafft neue Balkon-Situationen – etwa am Austritt von Jahnstraße und Am Kirschberg, mit denen die Gassen der Innenstadt über den Stadthang nahezu niveaugleich an die ehemals industriellen Plateaus der Zuckerfabrik angeschlossen werden können. Am Durchgang durch das Viadukt löst sich der Hochweg leicht vom Gelände und führt als Steg auf das Plateau vor der Zuckerfabrik. Vom Steg aus überblickt man Talraum, Löbauer Wasser und Wiesenweg, schaut auf die Stadtkante und die Innenstadt mit ihren Türmen.

Abb. 3: Ausstellungskonzept, Teilbereich Freibad

Teil des Talraumes ist auch das neue Naturbad, das in der Schleife des Mühlgrabens liegt und den leicht aufgeweiteten und stärker gefluteten Wasserlauf als natürliche Grenze zum Talraum nutzt. Die Abgrenzung zur Vorwerkstraße schafft ein langer, schmaler, eingeschossiger Riegel, der an die hölzernen Bauwerke alter Freibad-Architektur erinnert. In Fortführung dieses Gebäudes blendet eine lange Mauer die straßenbegleitend untergebrachten notwendigen PKW-Stellplätze aus. Gezielte Durchblicke von der Straße über die Badelandschaft erschließen visuell den Talraum. Das Café im Kopfbau bedient Gäste auf der Sonnenterrasse ebenso wie Passanten im Freisitz außerhalb des Bades.

Abb. 4: Ausstellungskonzept, Teilbereich Zuckerplateau

Im Sinne eines ressourcenschonenden Bauens wird vorgeschlagen, die vorhandene Wanne des heutigen Freibades zu erhalten und hier das neue, tiefenzonierte Nichtschwimmerbecken einzulassen. Zusammen mit dem Planschbereich entsteht so eine großzügige Familienbadezone, die von einem gemeinsamen Holzdeck und Stegen zusammengefasst wird und sich zur großen Liegewiese hin öffnet. Etwas abgerückt wird das neue fünfzügige Schwimmerbecken errichtet, Spiel- und Sportfelder ergänzen das Freizeitangebot des Bades.
Verdeckt unter den ostseitigen Stegen der Wasserbecken sind die Überläufe und Grobfilter angeordnet, die offenen, schilfbewachsenen Filterbecken zeichnen die weiche Konturlinie des Tales nach.

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